Es ist ja nicht neues, dass ich seit langem für die gelbe Tonne kämpfe. Nun haben die Helmstedter Nachrichten einen interessanten Artikel dazu geschrieben. Aber lest selbst:

Text im Folgenden: Eva Nick, Helmstedter Nachrichten vom 22.04.2022.

Die Frühjahrsstürme haben das Thema wieder akut gemacht: Erneut regt sich Unmut wegen des Unrats im Landkreis Helmstedt. Die vergangenen stürmischen Wochen haben zusammen mit einer zum Teil verspäteten Abfuhr der gelben Säcke für ein unschönes Bild gesorgt – weshalb die Kommunen jetzt erneut mit Nachdruck eine gelbe Tonne fordern. Die Entscheidung darüber liegt allerdings beim zuständigen Kreisausschuss.

Bis 2023, so entschieden dessen Mitglieder Ende 2019, ist der gelbe Sack gesetzte Sache. Darüber ärgert sich Gero Janze bis heute. Der Samtgemeindebürgermeister von Grasleben spricht von einer „Bevormundung der Kreispolitik“ – denn was die Bürgerinnen und Bürger sich wünschten, sei klar: nämlich die gelbe Tonne.

„Die Leute haben keine Lust auf gelbe Säcke“, sagt Janze unserer Zeitung, „ich bin der festen Überzeugung, dass die Menschen sie nicht wollen.“ Das ziehe er aus Gesprächen mit den Bürgern; auch eine kleine Facebook-Umfrage der Verwaltung mit ungewohnt viel Zulauf habe das ganz klar gezeigt. „Die Ignoranz seitens des Landkreises in dieser Entscheidung hat mich maßlos geärgert“, sagt Gero Janze über die Weisung des Kreisausschusses im Jahr 2019.

Tatsächlich hatten sich schon damals sechs von acht Kommunen im Landkreis für den gelben Sack ausgesprochen. Nur Schöningen und die Samtgemeinde Heeseberg waren dagegen – möglicherweise lag das jedoch auch an den Wahlmöglichkeiten. Damals hatte zur Debatte gestanden, statt den gelben Säcken auf eine Kombinationslösung umzusteigen, nämlich die gelben Säcke in eine gelbe Tonne zu füllen, sagt Gero Janze. „Das macht auch keinen Sinn“, findet der Samtgemeindebürgermeister von Grasleben.

Heute jedenfalls ist die Stimmungslage eine andere. Philipp Ralphs, Samtgemeindebürgermeister von Heeseberg, spricht sich auf Anfrage unserer Zeitung für die gelbe Tonne aus. „Hierzu habe ich ebenfalls die Ratsmitglieder befragt, eine Mehrheit tendiert zur gelben Tonne“, so Ralphs. Auch aus Schöningen berichtet Karsten Bock als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, dass sich die Meinungslage in der Kommunalpolitik mittlerweile geändert haben könnte. In der Stadt hätten gelbe Säcke und stürmische Tage für ein unerfreuliches Bild gesorgt. „Es gibt viel Für und Wider“, sagt Bock diplomatisch.

Doch warum ist der gelbe Sack derart unbeliebt? Die kommunalen Verwaltungsoberhäupter im Landkreis sind einer Meinung: „Die insbesondere bei Sturm herumfliegenden gelben Säcke sind nicht nur ein Ärgernis, sondern teilweise auch ein erhebliches Gefährdungspotential vor allem für Zweiradfahrer, wenn sich der Abfall auf Verkehrswegen befindet. Darüber hinaus müssen wir als Kommune den Müll ,auf eigene Kosten’ einsammeln, denn in der Regel fühlt sich kein ,Müllheraussteller’ mehr für seinen (fliegenden) gelben Sack zuständig“, sagt Helmstedts Bürgermeister Wittich Schobert. Schon seit Jahren dränge er auf die gelbe Tonne, mit Unterstützung des Landrats Gerhard Radeck selbst. „Unverständlicherweise hat sich bisher eine Mehrheit im Kreistag gegen diese sinnvolle Forderung gestellt“, so Schobert.

Königslutters Bürgermeister Alexander Hoppe stimmt seinen Kollegen zu. „Ich würde mich freuen, wenn der Kreistag bei nächster Gelegenheit diese Änderungen vornehmen würde“, sagt er. „Der Landkreis sollte hier auf jeden Fall umschwenken“, sagt auch Velpkes Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Fricke. „Es gibt immer wieder Probleme bei Wind und gerade in den dörflichen Bereichen mit vielen kleinen Nagern und anderen Tieren.“

Auch die Ausgabe der gelben Säcke macht den Kommunalverwaltungen Mühe und Ärger, ist zu hören; mal seien zu wenige Säcke da, was die Bürger erzürne und die Verwaltungsangestellten aushalten müssten. Mal seien zu viele da, die gelagert werden müssten. Die Gemeinde Lehre schlägt deshalb vor, dass Bürgerinnen und Bürgern selbst die Wahl überlassen werde. Ein Mischsystem sei denkbar.

Die nächste Gelegenheit, im Kreistag eine neue Entscheidung herbeizuführen, dürfte sich Ende des Jahres ergeben, wenn die Ausschreibung für das kommende Intervall ansteht. Graslebens Samtgemeindebürgermeister Gero Janze würde sich wünschen, vorher eine Umfrage unter den Bürgerinnen und Bürgern durchzuführen, um basisdemokratisch festzustellen, was deren Meinung zum Thema eigentlich ist – ganz einfach mit Versand der Jahresabrechnung. Das fände auch Alexander Hoppe aus Königslutter zielführend, „um so ein Meinungsbild der Landkreisbevölkerung zu erhalten.“

„So oder so: Falls der Kreistag weiterhin unverständlicherweise unsicher ist, möge man im Kreishaus aus dem Tiefschlaf erwachen und endlich eine Bürgerbefragung initiieren“, schäumt Janze; „unverständlich, dass seit 2019 keinerlei Anstrengungen dahingehend unternommen wurden.“

Bei der Entscheidung des Kreistages 2019 hatte es zur Begründung im Übrigen geheißen, dass der Landkreis nicht über das Entsorgungssystem im Bereich der Dualen System Deutschland GmbH (DSD) entscheiden könne und dass neue Angebote bei Bedarf erst ausgehandelt werden müssten. Wie es darum steht, konnte unsere Zeitung beim zuständigen Entsorger nicht erfragen; eine Anfrage dazu blieb unbeantwortet.

Hier gibt es den Artikel zum Download.